Dienstag, 27. Mai 2014

Terminacion

Zugegeben, das mit dem Blogschreiben hat diesmal nicht so wirklich geklappt. Gründe dafür gab es einige, da ich meinen Laptop nicht dabei hab, ist das Schreiben sehr mühselig nur mit meinem Smartphone, nach dem vormittäglichen Unterricht ging es in den letzten zwei Wochen entweder direkt irgendwo hin (Park, Sehenswürdigkeiten, etc.) oder ich musste eine Siesta einlegen, um für den Abend gerüstet zu sein uuund, aber das wisst ihr ja alle bereits, ich bin halt faul...

Ich weiss nicht, wie häufig ich bereits geschrieben hab, dass die Zeit auf meinen Reisen wie im Flug vergeht, aber ich muss diese Phrase nocheinmal bemühen. Hier ist alles ein wenig wie im Landschulheim. Ich häng hier meistens mit einer Gruppe von 10-15 Personen rum, die mehr oder weniger in meinem Alter sind, abends sitzen wir in der Regel auf der Dachterrasse unserer Residenz (das hört sich wunderbar an, ist aber nur die direkte übersetzung des Spanischen Residencia) und es finden sich immer einige Leute für Unternehmungen der verschiedensten Arten. 

In den letzten zwei Wochen war auch David hier, der ebenso am Sprachkurs teilgenommen hat, allerdings auf einem wesentlich höheren Level als ich. Wir hattens ja vorher schon davon: da ich faul bin, habe ich mich doch gegen das Wechseln der Klasse entschieden, ist vielleicht aber auch nicht so schlimm, da unsere Gruppe durch die Anwesenheit von Daniel dem Brasilianer etwas gepusht wird und wir jetzt immerhin schon das A2 Niveau erreicht haben. Meine tatsächlichen Spanischkenntnisse beschränken sich damit noch immer auf die Vorstellung meiner Person+das Bestellen in einem Restaurant, dafür habe ich aber die Freiheit meine Zeit hier umso mehr zu genießen. Es gibt kaum etwas besseres, als nach einem 4 Stunden Tag sich in die Mittagssonne mit einem kühlen Bier und kostenlosen Tapas zu setzen. Auch wenn es in der letzten Woche nur durchschnittlich 25 Grad erreicht hat, bis auf einen Regentag war das Wetter stets herrlich.

Mit David und zwei anderen konnte ich so eine Tour durch die Ausläufer der Sierra Nevada starten. Ein deutscher Neuankömmling führte mich zur Carmen de Rodriguez Acosta, einem Anwesen das jedem Bond Bösewicht gefallen würde und mit dem Großteil der Leute hier schauten wir das spanische Champions League Finale inklusive großartiger Atmosphäre und einer Lektion in spanischen Flüchen.

Jetzt fängt also schon die letzte Woche für mich an und ich geh mal davon aus, dass ich nicht nocheinmal zum Schreiben des Blogs komme. Kommenden Samstag breche ich von Granada aus auf, gen Valencia, wo ich vermutlich zwei Nächte bleibe, um dann am 4.6. zurueck nach Deutschland zu fliegen.
Bis dahin!

Montag, 12. Mai 2014

Continuación

Eine Woche ist jetzt schon wieder vorbei, seit ich in Spanien angekommen bin. Mittlerweile habe ich mich auch gut eingelebt, genieße das prächtige Wetter, die heißen Tage und die schöne Stadt Granada.

Nach meiner Ankunft am letzten Sonntag abend ging es montags früh gleich zur Sprachschule. Dort wurden die neuen Schüler in verschiedene Klassen eingeteilt (A1 fuer mich natürlich, da ich ja keine Vorkenntnisse hab) und der Unterricht konnte beginnen. Jeden Tag erwarten mich hier vier Stunden Spanisch. Die Lehreinheiten werden von zwei verschiedenen Lehrern geführt, die sich die Zeit aufteilen, mit einer halben Stunde Kaffeepause dazwischen, so dass ich ab 13 Uhr den Tag zu meiner freien Verfügung hab. 

Vom Tempo her ist das alles sehr machbar, derzeit bin ich sogar am Überlegen, ob ich nicht in eine etwas fortgeschrittene Klasse wechsel, da wir diese Woche wieder Anfänger bekommen haben, die zum Teil quasi von vorne anfangen müssen und ich auf diese Weise nur sehr wenig bis zum Ende meiner Zeit hier lernen werden kann. 

Der Unterricht macht zwar auch Spaß, die Zeit danach ist aber umso besser! Meine Unterkunft ist eine Residenz gute 20 Minuten Fußmarsch von der Schule entfernt, in der ca. 30 Schüler Unterschlupf finden. Von Japanern bis Brasilianern ist hier beinahe jede Nation in den verschiedensten Altersklassen vertreten. Auch wenn natürlich nicht alle auf meiner Wellenlänge schwingen, hab ich doch das Glück gehabt mit einigen sehr coolen Leuten gleichzeitig anzufangen, insbesondere Daniel, ein Brasilianer, und John aus England, mit denen ich mich sehr gut verstehe. 
Zusammen verbringen wir dann die Zeit in verschiedensten Tapasbars (In Andalusien bekommt man für ein kaltes Getränk einen Teller Tapas. Kostenlos. . . !!!!!), in einem Club, mit Aussicht auf die mächtige Festungsanlage der Alhambra oder am Strand, der eine einstündige Busfahrt entfernt ist. 

Mal schauen also, wie sehr sich mein Spanisch hier verbessert, zumindest Englisch und Japanisch kann ich aber üben und Spaß habe ich auch, beschweren kann ich mich also kaum ;)

Mittwoch, 9. April 2014

Letzter Teil

Nur noch eine Woche, dann geht's schon wieder zurück nach Deutschland!
Und puh, ich bin in den letzten Tagen ganz schön rumgekommen!

Nach etwas ruhigeren Tagen bei meiner Gastfamilie, die nur durch ein paar Besuche von Freunden und Verwandten unterbrochen wurden, ging es ab nach Shikoku, der kleinsten Insel Japans. Dort prägen massenhaft Berge die Landschaft und dementsprechend wenig Orte gibt es, die sich für Siedlungen eignen. Mit dem Auto durch die Bergketten zu heizen und ab und an an einem Fluss oder Wasserfall zu halten war dann auch ein sehr schönes Kontrastprogramm zu meinem vorherigen Aufenthalt in Tokyo.
Unser Ziel war Matsuyama, eine Stadt in der die älteste Heiße-Quellen-Anlage Japans steht. Irgendwie ist meine Reise von den Onsen hier geprägt...aber es war ja auch die ganze Zeit noch recht kühl.
Neben den heißen Quellen besuchten wir noch ein Museum über Masaoka Shiki, der die moderne Form der japanischen Haiku Gedichte prägte. Auf dem Rückweg machten wir noch Halt in einer kleinen etwas altertümlichen Stadt und einem Schrein mit der größten Waffensammlung Japans. Hier konnte man verschiedenste Klingen, von Naginata bis zu Nodachi, betrachten, die beinahe alle schon gute 800 Jahre auf dem Buckel haben.

Anstatt mich dann aber auszuruhen, ging es am nächsten Tag direkt weiter. Zunächst stand ein kurzer Abstecher nach Nara auf dem Plan, um zum zweiten Mal bei den Hozoin Leuten zu trainieren. Dieses Jahr bin ich zweimal zum Training gegangen und es fand zweimal statt, ha!
Etwas verschwitzt ließ ich mich dann von einer Freundin abholen, die mich nach Kinosaki kutschierte. Kinosaki, ihr denkt es euch sicher schon, ist berühmt für seine Onsen. Dort gibt es sieben oder acht verschiedene auf engstem Raum und mit dem Hotelticket kann man in jede einzelne gehen. Durch die Stadt flaniert man in eine Yukata gekleidet, so ähnlich wie ein Bademantel, damit das ständige An- und Ausziehen nicht zu lästig wird.
Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf nach Izushi, ein kleiner Ort in dem Soba Nudeln produziert werden. Das besondere daran ist, dass die Nudeln auf mehreren kleinen Tellern serviert werden, anstatt auf einem...manchmal sind die Japaner wirklich schwer zu verstehen.
Trotzdem ist dieser Ort unglaublich beliebt, obwohl es neben den Nudelläden nur noch Andenkenläden gibt (und ein kleines Schloss von dem aber nicht viel übrig ist...).
Weiter ging es zum Schloss über den Wolken in Takeda oder besser gesagt zu den Ruinen der Anlage. Auch bekannt unter dem Namen "Japans Machu-Picchu" kann man hier von einem ganze 300 Meter hohen "Berg" eine schöne Aussicht ergattern und auf den alten Gesteinsmauern herumturnen. Dieser Ort wurde erst vor einigen Jahren von den japanischen Massen entdeckt, wodurch ein Ansturm an Touristen ausgelöst wurde, der von der Befestigungsanlage einfach nicht ausgehalten werden konnte. Deshalb sind jetzt leider viele Bereiche abgesperrt und ein Großteil des Wegs auf dem man läuft mit einer Plane ausgelegt, um die Steine zu schonen.

Nach diesem Wochenendstrip kam ich wieder zurück nach Nara, um mich mit einigen Ärzten aus der Klinik zu treffen. Das Highlight dieser Tage waren aber die beiden Übernachtungen in verschiedenen Hostels, in denen ich einige nette Leute aus den verschiedensten Orten der Welt getroffen habe. Unter anderem einen Franzosen, der am nächsten Morgen mit einer Dämonenmaske und Perücke auf den nächsten Berg gestiegen ist, um dort zu Tanzen und Schreien (exakter Wortlaut). Franzosen sind noch seltsamer als Japaner...

Die Nacht darauf in Osaka war allerdings enttäuschend. Während ich in Nara für 2400 Yen in einem hundert Jahre alten traditionellen Haus übernachten konnte, zahlte ich in Osaka 2800 um mir mit 9 anderen Typen einen Raum der mehr an einen schmalen Flur erinnerte, zu teilen. Mein Bett hatte dann noch das großartige Feature, dass die Wand in der hinteren Ecke in das Bett hineinragte. Die Matratze wurde so auf das Bett gelegt, dass die hintere Kante abgeknickt in die Luft ragte. Statt in einem normalen rechteckigen Bett hatte ich also das Privileg in einem Dreiecksbett zu schlafen. Wunderbar!

Deswegen bin ich direkt danach wieder zu meiner Gastfamilie geflüchtet. Auch natürlich, um mein Gepäck abzuholen, dass ich hier unterstellen durfte. Zwischen Mittagessen, einer Session im Massagestuhl und einem Besuch vom Mönch von nebenan, konnt ich diesen Post gerade noch unterbringen.
Nachher flieg ich dann zurück nach Tokyo und komm bei nem Chinesen für eine Nacht unter, von dem ich eine Freundin in Nara getroffen hab. Falls ihr also nichts mehr von mir hört, hat mich die Triade erwischt und meine Organe verkauft.
Die restlichen Nächte bin ich vermutlich auch bei Freunden/Bekannten die ich hier in Japan getroffen hab.
Auch sonst ist das Programm aber ziemlich voll: Samstag findet eine Vorführung von Sensei statt, Sonntags wird einen Tag lang trainiert und Dienstags und Mittwochs gibts das große Katori Festival.

Deswegen bezweifel ich eher, dass ich nochmal dazu komm hier reinzuschreiben. Vll. ein paar Bilder oder so, Facebook zickt gerade eh rum und lässt mich keine Bilder hochladen...
In dem Fall, machts gut und bis bald in Deutschland! (Am 17. komm ich mittags zurück)

Hmm Google zickt auch(sind wir mal fair, vermutlich ists die Inetverbindung), also erstmal keine Bilder...versuch das nachzureichen ;)

Dienstag, 1. April 2014

Knappe Zeit!

Puh, es hat etwas gedauert bis ich wieder die Zeit finden konnte hier reinzuschreiben! Das liegt zum einen an der schlechten Verfügbarkeit von Internet in Taitos Wohnung und zum anderen an meinem vollgepackten Terminkalender seit ich in der Präfektur Kansai angekommen bin.
Aaaaaber lasst mich am Anfang beginnen!

Vor anderthalb Wochen bin ich von Hokkaido aus aufgebrochen. Die letzten beiden Tage dort hatte ich sogar Glück mit dem Wetter, die Sonne schien und als ich der heißen Quelle einen Besuch abstattete, bot sich mir ein wunderbarer Ausblick aus dem Freibad. (Die Bilder sind nicht aus dem Freibad, da die nackten Männer mich sonst totgeprügelt hätten)





Im Umkehrschluss bedeutete das allerdings auch, dass die Schnemassen schmolzen und die Gefahr auszurutschen dramatisch anstieg. Glücklicherweise konnte ich mich vor diesem Schicksal retten (wenn zum Teil auch nur äußerst knapp), aber meinen Sack durch die schmelzende Brühe zum Flughafen, respektive Bahnhof, zu zerren war alles andere als ein Vergnügen.

Der Flug mit der Billigairline "Peach" hatte dann auch gleich eine halbe Stunde Verspätung (es lebe Ryanair!), was eine actiongeladene Verfolgungsjagd mit meinem Anschlusszug (dem letzten Zug des Tages) zur Folge hatte. Im Zug machte ich die Bekanntschaft mit einer Amerikanerin, die keinerlei Pläne für ihre Transitnacht in Osaka gemacht hatte und der ich daraufhin half eine Unterkunft zu finden. Amerikatypisch plapperte sie quasi ununterbrochen, über ihren Job in Hokkaido, ihre Reisepläne, unbeliebte Kollegen, etc., aber das war mir ganz recht, da ich etwas Unterhaltung während meinem Abendessen ganz gut gebrauchen konnte.

Am nächsten Tag tourte ich durch Osaka, da ich die Stadt recht gut von früher kenne gab es keine wirklich klaren Sightseeingziele für mich. Trotzdem ist Osaka toll, wesentlich dreckiger und durchmischter als Tokyo, mit verwinkelteren Gassen und zwielichtigen Läden aber dabei halt typisch japanisch und dementsprechend sicher. Der ursprüngliche Plan lautete, am Abend nach Nara aufzubrechen, wo ich meinen Freund Taito treffen sollte, der mir für die Woche Unterschlupf angeboten hatte. Irgendwann nachmittags erreichte mich dann aber ein Anruf von Kondo (ihr wisst schon, der aus Hokkaido):

"Hey Marcel, wo bist du gerade?"
"In Osaka, Umeda um genauer zu sein...und selbst?", antwortete ich.
"Eeeecht? Ich bin auch grad in Umeda, komm lass uns was trinken gehen!", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen.
Das wurde dann auch sogleich in die Tat umgesetzt. Ein wenig später kam dann noch ein Kohai (oh, jetzt wirds kompliziert) Kondos dazu und ließ sich von uns abfüllen.
Kohai...tja, ich glaub ich hab im letzten Jahr davon schon mal geschrieben. Also kurz gesagt ein Student in einem niedrigeren Semester als Kondo. Jetzt kommt der spannende Teil.

Ich hab ja jetzt schon einige Begegnungen zwischen Japanern mitbekommen und weiß auch so einigermaßen wie sie sich in ihrem Hierarchiegehege verhalten. Ein Novum war jetzt aber zu sehen, wie Kondo, den ich vorher selbst immer nur als "Untergebenen" gegenüber den Ärzten in der Klinik gesehen habe zum Alphatier aufstieg. Das ist wirklich so eine Art Verhaltensanweisung für Japaner (daher auch immer recht früh im Gespräch die Frage nach dem Alter des Gegenübers), wenn man selbst eine "höhere" Position einnimmt, dann ist es Gang und Gebe (und auch erwartet) den dicken Macker raushängen zu lassen. Da wir in der letzten Woche noch ein paar Mal mit anderen Studenten unterwegs waren, kann ich bestätigen, dass das auch nicht nur an Kondo liegt sondern relativ universal betrachtet werden kann.
Das bedeutet nicht, dass Kondo im Gespräch unfreundlich oder ausfallend war, aber wesentlich offener, ein wenig von oben herab und stets darauf erpicht jede Diskussion für sich zu entscheiden, anstatt nachzugeben (das ist durchaus was Besonderes für Japaner).
Im Gegenzug war es dann auch seine Aufgabe die Rechnung des Abends zu begleichen und diese verrückten Japaner haben doch tatsächlich zu dritt gute 150€ versoffen&verspeist.............

Ziemlich betrunken taumelte ich dann nach Nara. Also in den Zug nach Nara. Ich entschied mich dann erstmal den Treffpunkt mit Taito zu verwirren und ziellos durch Nara zu schlappen, bis er mich einfangen konnte und meine entschuldigenden Worte "Shorry, Konnnnddoo hat mish abgefülllllld" mit einem strafendem Blick quittierte.

Endlich war ich also zurück in Nara, meiner Heimatstadt im letzten Jahr. In Taitos neuer Wohnung konnte ich Unterschlupf finden, wobei gesagt werden muss, dass Taito größtenteils noch bei seiner Familie lebt. Er hat weder Kühlschrank noch Herd bei sich zu Hause (auch kein Internet), weshalb wir gleich am nächsten, sehr regnerischen, Tag seine Großmutter anriefen und sie anbetteln uns etwas zum Essen zuzubereiten.
Daraufhin trafen wir einen alten Schulkameraden von Taito, nahmen ein heißes Bad und probten  unsere Baseball Künste. In Japan gibt es überall Baseball oder Golf"übungs"plätze. Hier kann man für ein paar eure 130 km/h schnelle Wurfgeschosse auf sich feuern lassen und falls man zu langsam zum Ausweichen ist, kann man mit einem Schläger versuchen sich zu schützen. Ich konnte meistens ausweichen, der Schläger war also mehr oder weniger unnütz.

Das Mainevent meines Aufenthalts in Nara war aber das Wiedervereinigungstreffen mit meinen Unikollegen aus der PJ Zeit. Im Lauf des Abends kamen wir irgendwann auf die Diskussion, dass ich ja noch nie einen japanischen Club besucht hatte. Kosuke und Taito erklärten sich dann auch sofort dazu bereit, mich um diese Erfahrung zu bereichern. Sobald der Rest der Bande sich aufgelöst hatte (hier in Japan fangen alle am 1.4. an zu arbeiten und dementsprechend sind die meisten mit Umzug und Vorbereitungen beschäftigt) zogen wir zu dritt los und hatten gleich großes Glück, da der erste Club vollkommen leer war und wir genug Platz hatten, um unsere Gliedmaßen in der Gegend umherzuschleudern. Der Eintritt betrug 1500 Yen, das ist etwas mehr als 10€ dafür ist aber ein Getränk bis zu 600 Yen inklusive. Im Club selbst gibt es fein säuberlich geordnete Schließfächer, in die man seine Sachen einschließen kann. Sehr japanisch eben.

Der zweite Club bot dann schon mehr Partystimmung, besonders begeistert hatte mich eine Gruppe von Sumokämpfern (kein Scherz), vier Typen, alle ca. 1,90 m groß und doppelt so breit wie ich, in traditioneller Yukata und umringt von Nutznießern. Leider haben sie abgelehnt ein Photo mit mir zu machen und ich wollte dann doch nicht weiter nachbohren...wer weiß wozu die in der Lage sind...
Die Party wurde dann allerdings um Punkt 1:00 Uhr beendet und wir fanden uns erneut auf der Straße. Mittlerweile hatten wir zwei Briten und einen Australier aufgegabelt, die die Hoffnung hatten, dass Japaner in Begleitung von einem Ausländer Englisch sprechen können. Ha! Lächerlich!

Nichtsdestotrotz zogen wir gemeinsam weiter zu einem Afterpartyclub. Hier kostete der Eintritt nur 1000 Yen und es herrschte Bombenstimmung. Das lag vielleicht auch an den blinkenden Leuchtstäben die von den Clubbetreibern ausgeteilt wurden. Sehr auffallend ist aber, dass alle Japaner immer auf die Bühne ausgerichtet tanzen, auch wenn dort niemand ist...außerdem gibt es geheime Choreographien für manche Lieder oder bestimmte Passagen und dann fangen alle an das gleiche zu machen...ist alles etwas unheimlich und man fühlt sich wie auf einem Treffen des örtlichen Hexenverbands. Nicht allzu viel anders als in Europa also, man muss das dementsprechend nicht wiederholen.
Nach einer Nudelsuppe und ziemlich erschöpft stiegen wir nach dem ganzen Trubel in den ersten Zug und kamen pünktlich zum Sonnenaufgang in Nara an.

So jetzt hab ich schon einiges geschrieben, konnte aber immer noch nicht bis zur Gegenwart aufholen. Derzeit bin ich bei meiner ehemaligen Gastfamilie, der Frühling hat mittlerweile die Alleinherrschaft an sich gerissen und die Kirschblüten erweisen dem Thronfolger in voller Blüte die Ehre. Meine Tage bestehen aus viel Essen (Heute beim Frühstück erwartete mich eine Schüssel Reis und ein Schälchen Misosuppe. Ich strahlte schon vor Glück, da ich mich ausnahmsweise mal nicht vollstopfen musste. Dann kam noch ein Schälchen mit getrockneten Fischen dazu. Gut, dachte ich mir, das gibt dem Reis etwas mehr Geschmack. Als nächstes kam auf Bacon gebratenes Spiegelei mit Salat und dann noch gegrillter Fisch...heute Mittag waren wir Erdbeeren essen. Dafür geht man in ein Treibhaus, zahlt Eintritt und darf dann eine halbe Stunde soviele Erdbeeren essen wie man mag....), Freunde&Familie treffen und dann manchmal ausruhen und schlafen.
Ab nachher gehts dann ab nach Shikoku, der vierten und kleinsten Insel Japans die sich an Honshu anlegt. Dort werd ich mit meinen Gasteltern bis Freitag die Gegend unsicher machen und daraufhin mit Freunden durch Honshu für ein paar Tage ziehen.
Ende nächster Woche gehts auch schon wieder nach Tokyo, mindestens einmal werde ich hier aber noch reinschreiben können denk ich!
Osaka! Falls man doch mal Heimweh bekommt!


 Ein Stückchen Paradies in Nara mit Kirschblüten

 Der Berg Shigi.
 Hier wird Bishamonten verehrt, unteranderem eine mächtige Kriegsgottheit

 Auch Shigi

Osaka! Wobei mir der tiefere Sinn des Cartoons noch nicht ganz klar geworden ist...

Samstag, 22. März 2014

Ice Ice Baby

Seit Mittwoch bin ich im Herzen des Winters angekommen, genauer: Sapporo, Hokkaido.
Nach einem letzten Training mit Sensei und der obligatorischen Flasche Sake die danach gemeinsam geleert werden musste, trennten sich meine und Dragos Wege, um mit dem Flieger zur nördlichsten Insel Japans zu kommen, die ich bis dato noch nie besucht hatte.
Schon auf dem Weg vom Flughafen zur Stadt war ich ziemlich von den Schneemassen überrascht, die hier noch überall zu sehen sind. Mir war zwar klar, dass es sicherlich kälter sein würde und vermutlich auch ab und an schneien könnte, aber damit hatte ich dann doch nicht gerechnet.

Am Bahnhof angekommen traf ich Mai - eine Freundin die ich noch von meinem Schüleraustausch kenne - die mich zielsicher zu meinem Hostel führte. Sobald wir den Bahnhof verließen, fing es dann natürlich auch gleich an zu schneien. Mein "Koffer" ist diesmal besser mit den Worten "Sack mit Rollen" zu beschreiben. Eigentlich sehr praktisch, da eine Menge Platz ist und ich auf dieser Reise nicht durch ein allzu strenges  Gewichtslimit eingeschränkt bin, aber auf schneebedeckten Straßen stellte sich der Sack doch als ordentliche Belastung heraus. So bleibe ich wenigstens in Form.

Nachdem das Gepäck im Hostel abgegeben war, machten wir uns auf den Weg zum Sapporo Bier Museum. Der Gründer der Brauerei in Sapporo, wie sollte es anders sein, durchlief eine Ausbildung in Deutschland und braute ab Ende des 19. Jahrhunderts nach deutschem Rezept und Reinheitsgebot.
Weiter ging es dann noch zum Fernsehturm, danach machten wir uns auf die Suche nach etwas zu Essen. Mai erzählte mir von einem sehr beliebten Restaurant, das vor allem durch seine Gemüsevariationen bekannt sei. Nach dieser Beschreibung ging ich von einem vegetarischen Restaurant aus, dachte mir, das sei eine nette Abwechslung und stimmte fröhlich zu, dorthin zu gehen.
Der unwissende Leser muss an dieser Stelle darüber informiert werden, dass es keine leichte Aufgabe in Japan ist, vegetarisch zu speisen. Bei fast jedem Gericht gibt es entweder eine Fleisch- oder Fischbeilage - richtige Vegetarier gibt es nach meinen Kenntnissen so gut wie nicht.
Deswegen stellte sich meine Vorstellung auch als naive Imagination heraus, als erstes wurde uns eine Sashimiplatte, also roher Fisch, serviert, dann gab es Rindfleisch in Tomatensuppe und nochmal Fisch, aber diesmal gegrillt. Lecker wars trotzdem!

Die Nacht verbrachte ich dann im Hostel, natürlich traf ich dort auch auf eine Deutsche und einen Holländer namens Jürgen (?) der fließend Deutsch konnte...

Am nächsten Tag ging es mit Mai nach Otaru, einer kleinen Hafenstadt, die vor allem für ihr Sushi berühmt ist. Auch hier warteten wieder Schneemassen auf uns. Da ich immer noch in meinen zerrissenen Nikeschuhen rumlatschte (und das bis heute fortsetze), dauerte es nicht lange, bis meine Füße vollkommen durchgefroren und durchnässt waren. Otaru präsentierte sich vor allem grau, mit einigen Gebäuden mit starkem europäischem Einfluss und sehr leckerem Sushi. In Otaru stieß dann auch noch Kondo zu uns, ein Freund aus Nara, der mich und einen anderen Freund, Yuta, in Sapporo besuchte.
Bei Yuta verbrachten wir die Nacht, Sake trinkend bis kurz vor Sonnenaufgang, über das MH370 Mysterium rätselnd und ähnliche Diskussionen führend, bis wir doch im Kampf gegen den Schlaf aufgaben.
Den nächsten Tag hing ich mit Kondo und Yuta rum, Mai verabschiedete sich, da sie arbeiten musste. Kondo im übrigen, hatte die japanische Kunst der Kurzreisen auf die Spitze getrieben: er hatte donnerstags mittags das Flugzeug nach Hokkaido genommen, eine Nacht dort verbracht und am nächsten Mittag den Rückflug. Das überraschte selbst die anderen Japaner.
Yuta ist ebenfalls Arzt und arbeitet in einem Krankenhaus in Sapporo. Da auf Hokkaido wesentlich weniger Menschen leben aber trotzdem viel Platz zur Verfügung steht, sind die Mieten nicht allzu unmenschlich und Yutas Wohnung ist ein glänzender Beweise dafür. Glücklicherweise konnte ich dort eine weitere Nacht bleiben, um dann am nächsten Tag in ein anderes Hostel umzuziehen, das zwar etwas kleiner, aber ohne Deutsche ausgestattet ist. Hier bleibe ich noch bis Montag, bis es dann auf nach Kansai geht.
Heute schneit es zum ersten Mal nicht mehr und ich werde mich vermutlich auf den Weg zu einer heißen Quelle machen und ein wenig relaxen.
Hokkaido ist für bildhaft schöne Landschaften und großartige Skigebiete berühmt, alleine will ich aber nicht Skifahren und die Landschaften sind derzeit von Schnee verdeckt. Ohne die richtige Ausrüstung kann man also auch nicht allzu viel entdecken. Sapporo selbst ist...interessant. Ein großer Teil der Stadt ist durch ein Untergrundsystem vernetzt, so kann man weite Strecken zurücklegen, ohne den harschen Außenbedingungen ausgesetzt zu sein. Weiterhin ist die Stadt für japanische Verhältnisse mit äußerst breiten Straßen und Gehwegen ausgestattet. Trotzdem konnte sie mich bisher noch nicht richtig begeistern, vielleicht liegt das aber auch am kalten Wetter und dem vielen Schnee und Eis, die in Kombination das einfache Überqueren einer Straße zum Abenteuer machen. Da bleibt nur eins: nochmal im Sommer vorbeischauen!

 Scharfe Augen bemerken einen bekannten Schriftzug

 Da wächst mir doch glatt ein Horn

 Schnee. Massen.

Altes Haus in Otaru - Steinbauten sind eine Seltenheit in Japan und viel häufiger auf Hokkaido als sonst wo

 Etwas Gutes hatte die Kälte: sie half meinem Ninjatraining!

 Ice Ice

 Kondo, Mai, Ich

 *Schmatz*

 Ein Japaner gibt auf. Seine Beine trugen ihn nicht mehr, er fiel...

und blieb liegen. Mittlerweile liegt eine zwei Meter dicke Schneedecke über der gebrochenen Gestalt von diesem armen Opfer der Natur.

 Auf dem Weg zum Hokkaidoschrein - noch harmlos.

 Weiterhin ohne größere Gefahr.

 Das Hauptgebäude, die ersten Flocken fallen.

Eine Statue vor dem Schrein, kurz bevor ein heftiger Schneesturm einsetzt und meine Heimkehr gefährdet.

Dienstag, 18. März 2014

Erste Verluste...

Ich hab einen Socken verloren. Jetzt hab ich ein unvollständiges Sockenpaar. Das Leben macht keinen Sinn mehr....

Morgen gehts nach Hokkaido, ich muss noch packen, hab keine Zeit mehr. Die letzten Tage waren schön. Der Frühling kommt. Auf Hokkaido schneits. Ich hab gleich nochmal Training. War ansonsten in Yokohama, Australier & Krankenschwestern treffen und Tokyo (un)sicher machen.

Bilder!

 Yokohama, links der Landmark Tower, Japans höchstes Gebäude bis 2014


Europäischer Einfluss in der Architektur - in Yokohama lebten viele Ausländer nach dem Ende der Isolation


 Bling Bling für Hochzeiten


 Eins der drei Chinatowns in Japan


 Hier kann man von gefährdeten Arten gefressen werden


 Was die Yakuza wohl für diese Informationen zahlen?


 Hier war ich leider nicht drinne... :(


 Im Landmark Tower


 Der Tokyo Skytree


 Mein täglich Brot. Ähm Tintenfisch. Babys. Hmmm lecker!


 *Lechz*


 Worum sich alles dreht: der Katori Schrein


 Der Gründer der Katorischule und meine Wenigkeit.


 Das Hauptgebäude des Schreins.


 Aber ich wollte doch nur einen Haarschnitt und mir nicht gleich den Kopf abhauen lassen!


Tsukahara Bokuden, ein berühmter Schwertmeister der Katori Schule und Gründer der Kashima Shinto Ryu

Dienstag, 11. März 2014

Big City Life

Die ersten anderthalb Wochen meiner Reise sind schon wieder vorbei. In einer großen Stadt wie Tokyo gibt es eben viel zu sehen und zu unternehmen und da am Wochenende zweimal gut 3 1/2 Stunden trainiert wird, fallen die beiden Tage auch fast weg und die Zeit rast nur so dahin.

Wir haben versucht vor allem die typischen Tourispots abzuklappern, Dragos und Stefan waren ja noch nie hier und finden es auch nicht ganz leicht sich mit der japanischen Kultur und den Gewohnheiten hier zurecht zu finden. Für mich bedeutet das, dass ich die meiste Zeit als Reiseführer unterwegs bin, Übersetzen darf und mein Gedächtnis bemühen muss, mich an die Erzählungen meines Reiseführers von vor ca. 13 Jahren zu erinnern, damit ich etwas über die einzelnen Örtlichkeiten erklären kann. Tokyo ist eben nicht mein Spezialgebiet...

Mit dem Wetter haben wir bisher größtenteils Glück gehabt, es gab zwar einen verregneten Tag, aber ansonsten herrscht hier meist gutes Wetter. Die Temperaturen liegen trotzdem bei nur knapp 10° und in der Nacht wird es noch ordentlich kälter. Auf Hokkaido, wohin es mich nächste Woche treiben wird, herrschen zum Teil noch Minusgrade...brrr...

Im April werden hier die Steuern erhöht (von 5% auf 8%...), weshalb der Yen gerade in den Keller rauscht. Das ist ganz schön, da auf diese Weise meine Reise von Tag zu Tag günstiger wird. Ich muss bloß aufpassen, dass ich im Eifer des Gefechts nicht zu viel einkauf, aber glücklicherweise habe ich noch einige Gepäckreserven.

Ansonsten präsentiert sich Japan wie immer als Land der Gegensätze; offenes WLAN findet man fast nirgends, dafür überall verschlüsselte Angebote, die man benutzen kann, wenn man ein japanisches Handy mit japanischem Vertrag hat. In Internetcafes von Tokyo darf man als Ausländer nur mit einer Kopie seines Reisepasses und die rechte Bewegung in den Parteien ist so stark wie schon lange nicht mehr, trotzdem wurde ich und ein Norwege aus dem Training von einer Gruppe Japaner angesprochen, als wir am Wochenende was Trinken waren und der Abend endete gemeinsam Karaoke singend um vier Uhr morgens...da soll man mal draus schlau werden...

Das Training am Wochenende war wieder sehr lehrreich, insbesondere weil viel mehr Fortgeschrittene gekommen sind, sozusagen die creme de la creme des japanischen Schwertkampfes. Hier hatte ich die Chance die wahren Qualitätsunterschiede zwischen Japan und Deutschland zu sehen, das ist so etwa, wie wenn man ein Fußballspiel der Japanischen Liga mit der Bundesliga vergleicht...zum Teil sehr ernüchternd. Aber eben drum umso mehr die Chance für mich viel zu lernen.

Jetzt noch ein paar Bilder, als krönender Abschluss meines etwas schlappen Berichts, ich bin grad etwas erkältet und nicht ganz so fit...daher heut auch ein ruhiger Tag...

Nach ungefähr fünf Jahren bin ich wieder da!




 Postkartenmotiv!



 Die versammelte Mannschaft vorm Buddha in Kamakura




 
 Beginn der Kirschblüte




Eingang des Hasedera in Kamakura



 Beim Üben der Herrscherposition, hinter mir Minamoto no Yoritomo, der erste Shogun Japans




 Die großartigen Englischfertigkeiten der Japaner!



 Tokyoter Architektur







Lichtermeer Shibuya




Das Dojo, im Spiegelbild ist es mir gelungen eine der Geheimtechniken aufzunehmen, die nur in Japan gelehrt werden: Staubsaugernojutsu!