Donnerstag, 30. August 2012

Umzug

So, fast ist der Umzug geschafft, jetzt fehlen noch ein paar Fotos und dann kann der Spaß weitergehen!

Alte Beiträge!

...und noch etwas Medizinisches

Ha! Jetzt gibt es gleich noch ne Ladung von mir!
Hier ein paar Fakten übers japanische Gesundheitssystem, für die die es interessiert:
1. Es gibt massig Ärzte, egal ob auf Station oder sonstwo. Generell gibt es massig Personal überall und wie vorher schon beschrieben arbeiten alle auch sehr lange(von ca. 8:00-8:30 bis abends 20:00 ist vollkommen normal, länger kommt durchaus auch vor). Was aber nicht unbedingt heißt, dass das super effizient ist. Die Herzkatheter z.B. werden in der Regel von drei Ärzten und 5 MTAs durchgeführt. Zusätzlich dazu sind meistens nochmal zwei MTAs anwesend, die nichts machen(zum Lernen...?). Zum Vergleich dazu: in D wurde die normale Angiographie häufig von einem Arzt und zwei bis drei MTAs gemacht.
Das hat aber auch durchaus seine Vorteile, so ist jede Aufgabe z.B. doppelt abgesichert. Wenn ein Arzt den Katheter nicht in die Koronarien bekommt, versucht es eben der nächste(in der Regel ist ein Assistenzarzt, ain AiPler und ein Oberarzt anwesend...einer wirds schon schaffen). Und generell wirkt dadurch alles auch rechts entspannt und nicht gehetzt wie häufig in D. Auch das Klima sonst ist bisher wesentlich kollegialer als in D...
2. Es gibt kein PJ in dem Sinne, Praktika werden im 5. Jahr gemacht. Facharztausbildung gibt es auch keine, sondern man ist so eine Art Arzt im Praktikum(und rotiert dabei durch die Stationen) für zwei Jahre nach dem Uniabschluss, danach darf man sich seine Spezialisation aussuchen(ohne Prüfung). Was mir sehr gut gefallen hat: auf Station war einem AiPler immer ein fertig ausgebildeter Arzt, wenn nicht gar Oberarzt zur Betreuung angeschlossen. Man wird also nicht einfach allein gelassen.
3. Es gibt ein paar seltsame Therapieansätze: nachdem sie eine Thoraxdrainage bei einer Patientin mit chron. Nierenversagen gelegt haben, sagten sie mir, dass sie jetzt das Exsudat kochen(zum Denaturieren der Proteine) und dann einen Großteil wieder dem Patienten injizieren....das hat mich ein wenig geschockt.

Ein Anfang, Kochtopfrost und wer war eigentlich Glagov?

Diese Woche startete also mein PJ! Sicherlich ist es ziemlich anders losgegangen, als bei meinen Kollegen in der fernen Heimat, aber der Reihe nach.
Montags war wirklich nur Vorstellungsrunde, die 2. angesagt. Ich bin also brav von Station zu Station gegangen, hab meinen Namen aufgesagt und bin nebenbei noch ein paar Mitbringsel aus Heidelberg losgeworden. Ob die gut angekommen sind oder nicht weiß ich nicht so recht, dass ist sehr schwer den Japanern anzusehen, ob sie sich WIRKLICH freuen, oder das nur höflichkeitshalber tun. Aber die Geste zählt ja.
Der Professor, dem ich zugeteilt bin, ist im Übrigen äußerst freundlich und spricht(wow) sehr gutes Englisch! Momentan ist er allerdings in Deutschland -.- und bevor er ging, hat er mir noch befohlen(!) zumindest den Nobelpreis anzupeilen, ansonsten könne man sich ja nicht als Mediziner blicken lassen auf der Strasse...
Spannender war aber mein erster "Einsatz" in meiner Küche - wofür ich etwas ausholen muss.
Also ja, ich hab eine Küche, mit Mikrowelle, Reiskocher, Wasserkocher und einer(!) Kochstelle. Die sieht aus, als wäre sie aus dem letzten Jahrtausend und damals schon gebraucht gekauft. Geputzt wurde sie seitdem auch noch nie - die Sekretärin des Profs hat mir zumindest gesagt, dass sie die so eklig fand, dass sie das nicht hat putzen lassen und ich sollte das Ding am besten auch gar nicht benutzen...
Die ersten Tage hab ich mit Essen aus einem Konbini überbrückt. Konbinis sind quasi Tankstellen ohne Benzin. D.h. sie haben 24/7 offen(wie die meisten normalen Supermärkte hier auch...), sind etwas teurer als ein normaler Supermarkt und recht beschränkt in ihrer Auswahl an Sachen. Dafür gibt es wesentlich mehr von ihnen und sie sind auch sehr praktisch verteilt. Zum nächsten Supermarkt muss ich ca. 15 min. laufen, zum nächsten Konbini geh ich um die Ecke.
Das Problem war nur, als ich das den Japanern erzählt hab, sagten sie nur: "Ah...Konbinis...von dem Essen stirbt man..."
Das einzig "tödliche" was ich bisher in den Speisen dort gefunden hab, war ne Menge Mayo, aber hey, die Japaner werdens wohl besser wissen als ich!
Die Option außerhalb zu Essen, kam auch nicht in Frage, da zu teuer.
Ich musste also in meine Küche. Drei Töpfe stehen mir hier zur Verfügung, bei einem löst sich der angebrannte Rost am Boden noch nicht ab, deswegen benutze ich den.
Damit muss ich jetzt erstmal klar kommen, was sich nicht nur als Schwierigkeit herausstellt, weil
ich nicht kochen kann...
Naja, für die erste Woche gabs Pasta mit Tomatensauce :D davon hab ich einfach soviel gemacht, dass ich es mir nur noch in der Mikro warm machen musste...
Und bevor ichs vergesse: Messer hab ich nur ein großes Küchenmesser, Brot streich ich mir momentan mit nem Löffel!
Dienstag ging es also "richtig" in die Klinik. Für die ersten beiden Wochen bin ich vor allem in die Interventionsbereiche der Kardiologie eingeteilt, d.h. Herzkatheter, Ablationen, Schrittmacher-OP's füllen meinen Stundenplan zum Hauptteil. Wirklich machen kann ich dabei nichts(könnte ich wohl auch nicht, wenn ich mir das in D anschauen würde), außer eben zusehen, dafür nehmen sich die Ärzte hier Zeit(!), um einem die verschiedenen Abläufe etc. genau zu erklären und zu zeigen. Um nette Fragestunden kann man sich in ner 1 zu 1 Betreuung aber nur schwer drücken, so das mein Wissen(?) über die Koronararterienäste, den Erfinder der Koronarangiographie, Herrn Glagov aus Chicago, etc. gewogen, gemessen und für unzureichend befunden wurde...
Froh war ich auch über die Nachricht des stellvertretenden Chefs, als er mir sagte, dass er es ja schön fände, wenn ich morgens vor den Katheteruntersuchung auf Station komme, da würden dann die Patienten durchgesprochen(7:30) und achja, wenn der Chef aus D zurück ist, finden dann wieder die Meetings und Konferenzen statt(da hat er mir nichmal mehr die Möglichkeit gegeben abzusagen...), täglich ab 17:30. Hachja....
Zusätzlich zu den Sachen durfte ich an einem Tag noch bei Nierenbiopsien zuschauen und gestern wurd mir eine Einführung fürs Herz-Echo gegeben, wenn ich Glück hab kann ich das in den nächsten Wochen noch beigebracht bekommen.
Ab September hören in Japan die Sommerferien auf, dann kommen die Studenten aus dem 5. Jahr, während dem sie wohl die meiste Zeit Praktika auf Station machen. Denen werde ich dann vermutlich zugeteilt und dann noch andere Sachen sehen können.
Seit gestern bin ich übrigens auch mündig in Japan geworden - mein Leihhandy ist gekommen! Wer den unglaublichen Drang verspürt, mir ne Mail zu schicken, die ich schnell lesen soll, dem kann ich gern meine Handymailadresse auf Anfrage zukommen lassen!
Kurz darauf hat sich dann noch ein kleines Drama abgespielt, da das Schloss meiner Schublade sich nicht mehr öffnen ließ. Clevererweise hatte ich all mein Geld+Visakarte da drin, denn hey, man kann es abschließen, es muss sicher sein! Da ausgerechnet Freitagnachmittag war, war kaum noch wer in der Klinik aber ich hatte ja zum Glück ein Handy und konnte die Sekretärin anrufen. Nach einigem Hin- und Hertelefonieren kamen dann zwei(!) Hausmeister aus der Klinik zu meiner Wohnung gerannt und haben das Schloss entriegelt bekommen. Ziemlicher Service, was?
Sooooo ich glaub das wars an Ereignissen(nagut, ich war nochmal Einkaufen und bis ich Waschpulver als solches identifizieren konnte, hats fast ne halbe Stunde gedauert -.-), heute hab ich nich viel vor, muss noch etwas an meiner Dr.-Arbeit werkeln und wollt etwas Japanisch lernen, morgen bin ich nach Osaka eingeladen.

Kurze Mitteilung

Für alle die es kaum erwarten können, Neuigkeiten von mir zu hören und deshalb jeden Tag, zweimal pro Stunde, hier reinschauen, ob ich was geschrieben hab und enttäuscht sind, wenn sie nichts Neues finden; und für alle die nur aus reinem Pflichtbewusstsein hier ab und an reinschauen, dann auch nur manchmal neue Einträge vorfinden und sich deshalb denken, dass es sich ja gar nicht lohnt hier überhaupt vorbeizuschauen, hier eine kurze Ankündigung bzgl. des Schreibturnus:
Ich werd versuchen wohl so jede Woche einmal hier reinzuschreiben. Der Wochentag wird sich spontan ergeben, zunächst wohl eher Wochenends, aber die werden jetzt so langsam verplant, dann werd ich wohl doch eher unter der Woche schreiben.
Natürlich kann es mal vorkommen, dass ich ne Woche lang gar nichts schreib oder mal mehr, je nachdem wieviele tolle und aufregende Dinge mir passiert sind ;)
Aber grundsätzlich soll gelten: Einmal pro Woche gibts Neuigkeiten von Masl!
So, jetzt wisst ihr Bescheid! Dann auf zum nächsten Beitrag! :D

Ankunft im Fernen Osten!

Endlich war es soweit. Nach einer gut vierzehnstündigen Reise, hinweg über die qualmenden Schlote von Amsterdam über die frostige Tundra Sibiriens und gleichzeitig nordkoreanischen Raketen ausweichend, schlug ich endlich im Land der aufgehenden Sonne auf. Hier erwartete mich erstmal ein japanischer Beamte, der ganz und gar nicht damit einverstanden war, dass ich für 3 Monate(meine Aufenthaltsgenehmigung gilt erstmal nur für diese Zeit und muss dann nocheinmal verlängert werden) im Land verweilen wollte. Mit grimmigen Blick wies er mich daher folgerichtig an, mein Gesuch auf der sog. "Disembarkation Card" die man als Einreisender erhält, durchzustreichen. Und direkt im Anschluss daneben "Aufenthalt für 90 Tage" hinzuschreiben. Nun gut...damit war die erste Hürde gemeistert und ich konnte weiter...reisen...
Denn vom Flughafen Osaka braucht es natürlich auch erstmal eine gute Stunde mit dem Bus, bis man in Kashihara ankommt. An der Bushaltestelle wurde ich gleich von der Sekretärin des Kardiologie-Professors, dem ich zunächst zugeordnet wurde, abgeholt. Mittlerweile war ich schon ein klein wenig groggy da ich auch im Flugzeug nur wenig Schlaf gefunden hatten. Deshalb machten wir uns schnurstracks auf in Richtung Klinik, wo mir nicht nur alle möglichen verschiedenen Abteilungen von einem sehr nett wirkenden Facharzt gezeigt wurden, sondern auch noch ein Mittagessen in der Kantine serviert wurde und es mir mit meinem gebrochenen Japanisch doch irgendwie gelang, die Leute zu beeindrucken. Naja, sie hatten wohl alle geglaubt, ich könne nur Englisch und das liegt ihnen halt nicht so, deswegen waren die meisten sehr erleichtert...! Da mir jetzt doch beinahe die Augen zuklappten(es war mittlerweile 16:00 Uhr vorüber und ich hatte immer noch nicht geschlafen) wollte ich mich fürs Erste verabschieden, bis dann kommenden Montag mein Klinikeinsatz richtig beginnen würde.
Eine wichtige Sache gab es jedoch noch, die mir die Sekretärin erklären wollte.
"Maselu-san(jap, das ist die einfachste Form mich hier vorzustellen...), wenn sie irgendwann einmal zum Professor möchten, werde ich Ihnen jetzt erklären, was Sie machen müssen, um ihn zu erreichen."
Gespannt über dieses hochgeheime Ritual in das ich nun eingeweiht werden würde, verließ ich mit der Sekretärin zusammen ihr Büro. Vor der Tür angekommen, dreht sie sich um und öffnet die Tür wieder.
"Sie müssen durch diese Tür hier gehen, die ist eigentlich immer offen.",haucht sie ehrfürchtig, da sie, genauso gut wie ich, weiß, dass der wahrhaft mystische Teil des Rituals jetzt gleich offenbart werden muss.
Wir betreten also das Büro, durchschreiten es, bis wir an der nächsten Tür(der des Professors) ankommen und bleiben dort stehen. Mittlerweile haben sich Schweißperlen auf meiner Stirn gebildet, aufgrund der Spannung die sich in meinem Körper ausbreitet(uuuuund der Hitze, bisher jeden Tag so um die 35 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit...).
Die Sekretärin wendet sich wieder mir zu, schaut mich verschwörerisch an und sagt dann mit einem Flüstern:
"Hier Klopfen Sie.", sie hebt ihre Hand, klopft gegen die Holztür,"Und warten bis der Professor Sie hereinbittet, dann können Sie eintreten."
Achso.
In meiner Wohnung(jahaaaa!)angekommen, war ich doch erstmal über ihre Größe überrascht. Ich hab ein Zimmer mit Küche, Sofa und Bett und dazu noch ein Bad. Für japanische Verhältnisse ist das wirklich ansehnlich. Dafür habe ich aber auch erfahren, dass die Miete die ich hier blechen muss, deutlich über dem Standardsatz von Nara liegt...naja...
Am zweiten Tag haben sich mir netterweise zwei Medizinstudenten angenommen und gleich einen Tagesausflug mit mir unternommen. So konnte ich einen Teil der Stadt erkunden, aber es war so heiß, dass wir bald zu einer heißen Quelle aufmachten um uns abzukühlen...oder so...
Das hilft aber tatsächlich sehr gut, ähnlich wie ein Saunaaufenthalt eben, nur...japanischer.
Natürlich gibt es auch nicht nur ein Bad, sondern gleich viele verschiedene, mein persönlicher Favorit:
das Elektrobad!
Das Elektrobad gibt es in zwei Ausführungen "schwach" und "stark". Im Becken befinden sich rechts und links kleine Bänke, auf die man sich setzen kann. Falls man das schafft.
Denn am "Rückenteil" der Bänke fließt Strom. Jap. Strom.
Auf der schwachen Bank hab ichs ca. ne Sekunde ausgehalten, auf der starken kam ich nicht zum Sitzen. Das ganze fühlt sich an, als würde dir der Hulk eine Rückenmassage verpassen.
Nach diesen Ausschweifungen habe ich mir heute erstmal einen ruhigen Tag gegönnt, der in einem Besuch vom hiesigen Supermarkt gipfelte. Was für sich genommen auch recht abenteuerlich war, da ich wohl gerade Mal ein viertel der Produktbeschreibungen lesen kann...die wichtigsten Dinge sollte ich aber bekommen haben, es sei denn, meine Karotten stellen sich als kleine Nagetiere oder sowas heraus....
Morgen geht es dann erstmals "richtig" in die Klinik, wobei bisher nur ein Vorstellungsgespräch beim Professor angesagt ist...man darf gespannt sein!